
Ein kleines Start-up aus Kalifornien sorgt mit einem ambitionierten GPU-Projekt für Aufsehen: Bolt Graphics verspricht mit seiner „Zeus“-GPU nichts weniger als die Leistung von zehn Nvidia GeForce RTX 5090 in einem einzigen Mehrchip-Design. Doch nun kommt der Dämpfer: Die ersten Entwicklerkits für die Zeus-Grafiklösung erscheinen später als geplant – statt Ende 2025 nun erst im Laufe des Jahres 2026. Auch die Serienfertigung verschiebt sich um rund ein Jahr auf 2027. Trotz dieser Verzögerung bleibt die Vision beeindruckend: Eine GPU-Architektur mit aufrüstbarem Speicher bis in Terabyte-Dimensionen, integriertem RISC-V-Prozessor und atemberaubender Raytracing-Leistung. Kann das Start-up die hochgesteckten Erwartungen erfüllen?
Spektakuläre Versprechen: Zehnfache RTX-5090-Leistung
Bereits im März 2025 machte Bolt Graphics Schlagzeilen, als das Unternehmen seine Zeus-GPU-Plattform der Öffentlichkeit vorstellte. Dabei klang das Leistungsversprechen beinahe utopisch: Die größte Ausbaustufe Zeus 4c – eine Lösung mit vier verbundenen Chiplet-Modulen – solle im Bereich Path Tracing bis zu zehnmal schneller rendern können als Nvidias damaliges Flaggschiff GeForce RTX 5090. In internen Simulationen, die Bolt durchführte, erreichte das Zeus-4c-Gespann sogar Werte, die einer 13-fachen Raytracing-Leistung der RTX 5090 entsprechen. Selbst die Einstiegsvariante Zeus 1c mit einem einzelnen Chip sollte demnach schon gut das 3,2-Fache der 5090 schaffen. Diese Werte beziehen sich allerdings auf einen selbst definierten Mikrorender-Benchmark unter idealisierten Bedingungen (4K-Auflösung mit 120 FPS und bestimmten Ray–Triangle-Tests pro Pixel). In der Praxis – etwa in Spielen – dürften solche Zahlen deutlich geringer ausfallen, da dort viele Variablen wie dynamische Szenen, inkohärente Strahlen oder stetig neu aufzubauende Beschleunigungsstrukturen die Raytracing-Performance relativieren.
Trotzdem illustrieren die Zahlen, welchen Weg Bolt Graphics einschlägt: Die Zeus-Architektur konzentriert sich radikal auf Path Tracing und ähnliche rechenintensive Aufgaben. So gibt das Unternehmen an, dass selbst mit der kleinsten Zeus-GPU über 25 Samples pro Pixel in Echtzeit-4K-Raytracing möglich seien – ein Niveau, das aktuelle Grafikchips bei weitem nicht erreichen. Auch für wissenschaftliche Berechnungen wird Großes versprochen: Bis zu 20 TFLOPS in doppelter Präzision (FP64) peilt man an – ein Wert, der weit über dem heutiger Gamer-GPUs liegt und sogar professionelle HPC-Beschleuniger herausfordern würde.
Innovative Technik: Aufrüstbarer Speicher und RISC-V-Kerne
Doch Zeus will nicht nur bei der Rechenleistung neue Maßstäbe setzen, sondern auch mit seinem Speicherkonzept und der Architektur insgesamt. Ein Alleinstellungsmerkmal ist der erweiterbare Grafik-RAM: Jede Zeus-GPU verfügt über aufgelöteten LPDDR5X-Speicher (je nach Modell 32 GB, 64 GB, 128 GB oder sogar 256 GB), der bereits eine beachtliche Grundkapazität bietet. Zusätzlich hat das Board jedoch klassische Arbeitsspeicher-Steckplätze (SO-DIMMs), über die sich der verfügbare Speicher drastisch erhöhen lässt. Im Desktop-Modell Zeus 1c etwa sind zwei SO-DIMM-Slots vorhanden, die weitere 128 GB DDR5-RAM aufnehmen können – insgesamt also bis zu 160 GB Grafikspeicher. Die Dual-Chip-Variante Zeus 2c bietet vier SO-DIMM-Slots und somit bis zu 384 GB Gesamtspeicher, während das Server-Modell Zeus 4c über acht DIMM-Steckplätze sogar auf über 2 TB externen DDR5-Speicher kommen soll. Solche Speicherdimensionen sprengen alles, was man von heutigen GPUs kennt (selbst Nvidias Profi-Karten bieten maximal 48 GB VRAM) und zielen auf Anwendungsfälle, bei denen riesige Datensätze in den Grafikspeicher passen müssen – etwa bei komplexen Simulationen oder umfangreichen 3D-Szenen.
Der technische Kniff dahinter: Bolt kombiniert den langsamer taktenden, aber kapazitätsstarken LPDDR5X-Speicher mit konventionellem DDR5-RAM. Zwar sind diese Speicherarten deutlich langsamer als das hochgetaktete GDDR6X/GDDR7 auf aktuellen Grafikkarten, doch versucht Bolt dies durch Masse und einen gewaltigen Cache auszugleichen. Jede Zeus-GPU bringt nämlich einen sehr großen On-Chip-Cache mit – im Topmodell 4c beispielsweise 512 MB, verglichen mit ~120 MB Cache auf einer RTX 5090. Dadurch sollen häufig benötigte Daten möglichst im schnellen Cache bereitstehen, während der große (aber langsame) externe Speicher den seltener benötigten Datenmengen vorbehalten ist. Insgesamt erreicht Zeus 2c laut Bolt etwa 725 GB/s Speicherbandbreite – das ist zwar nur gut 40 % der 1,8 TB/s einer RTX 5090, aber dafür stehen eben im Gegenzug vielfach größere RAM-Mengen bereit. Das Design priorisiert also Kapazität über Durchsatz, in der Annahme, dass bestimmte Workloads mehr von viel Speicher profitieren als von maximaler Bandbreite.
Neben dem Speicherausbau setzt Bolt Graphics noch auf weitere ungewöhnliche Features. So integriert die Zeus-GPU mehrere dedizierte RISC-V-Prozessorkerne direkt auf dem Chip. Diese frei programmierbaren CPU-Kerne (Bolt spricht von einem RISC-V RVA23 Out-of-Order-Design mit Vektor-Einheiten) können ein eigenes Linux-Betriebssystem ausführen und dienen dazu, bestimmte Aufgaben ohne Hilfe des Host-Prozessors zu erledigen. Im Prinzip verwandelt sich die Grafikkarte so in einen eigenständigen Computer, was z.B. in Render-Farmen Vorteile bringen könnte. Ebenfalls auffällig ist die Netzwerk-Schnittstelle auf der Karte: Zeus bringt einen integrierten 400-Gigabit-Ethernet-Port (QSFP-DD) mit. Gerade für professionelle Anwender ermöglicht das eine direkte GPU-zu-GPU-Kommunikation oder den Anschluss ans Netzwerk mit extrem hohem Datendurchsatz, ohne dass ein extra Netzwerkkarte erforderlich wäre. Die größten Ausführungen für Rechenzentren (Zeus 4c) sollen sogar bis zu sechs 800GbE-Ports (OSFP-Modulformfaktor) unterstützen – damit ließen sich ganze Cluster aus Zeus-GPUs aufbauen, die untereinander mit enorme Bandbreite Daten austauschen können.
Trotz dieser Rechenmonster-Ausstattung bleibt Zeus äußerlich eine PCIe-Karte – zumindest das 1c- und 2c-Modell sind als klassische Einsteckkarten konzipiert. Sie verfügen über PCIe 5.0 x16-Anschlüsse (die größeren Modelle sogar mehrere, um genug Verbindungen zu bieten und eventuell den kommenden Standard CXL 3.0 zu nutzen). Auch an Monitoranschlüssen fehlt es nicht: DisplayPort 2.1a und HDMI 2.1b sind an jeder Zeus-Karte vorhanden, sodass sie sich prinzipiell auch für grafiklastige Anwendungen mit Bildschirm eignen. Selbst auf herkömmliche Grafikeinheiten wie Texture Mapping Units (TMUs) und Render Output Units (ROPs) will Bolt nach eigenen Aussagen nicht verzichten, obwohl der Fokus klar auf Raytracing liegt. Allerdings deutet der Hersteller an, dass klassische Rasterisierung nicht im Zentrum steht – manche Beobachter vermuten, dass Zeus herkömmliches Echtzeit-Rendering nur eingeschränkt beherrscht. Diese GPU richtet sich offenkundig eher an Spezialanwendungen als an den Mainstream-Gamer, obwohl Bolt mittlerweile auch über Gaming als Einsatzgebiet spricht.
Leistung mit Licht und Schatten
Ein Blick auf die bislang bekannten Leistungsdaten zeigt ein unkonventionelles Bild: Zeus glänzt in Bereichen, die bei heutigen GPUs Nebenrollen spielen, liegt aber in anderen Disziplinen deutlich zurück. So liegt die nominelle Shader-Rechenleistung (FP32-TFLOPS) der Zeus-Chips weit unter der einer GeForce RTX 5090. Das Ein-Chip-Modell Zeus 1c kommt auf rund 10 TFLOPS in FP32, Zeus 2c auf 20 TFLOPS – während Nvidias 5090 über 100 TFLOPS schafft. Hier wird deutlich, dass Bolt zugunsten der Raytracing-Einheiten und FP64-Rechenkerne (für wissenschaftliches Rechnen) auf klassische Shader-ALUs verzichtet oder diese sparsamer auslegt. In herkömmlichen Raster-Grafiklasten hätte eine Zeus daher vermutlich das Nachsehen. Dafür spielt sie bei Genauigkeit und speziellen Rechenarten ihre Stärken aus: Bis zu 307 Gigarays pro Sekunde bei Path Tracing werden für das 4c-Modell angegeben, und in FP64-Berechnungen liegt selbst der kleinste Zeus-Chip über dem zehnfachen einer RTX 5090. Solche Werte könnten in Simulationen, CAD-Anwendungen oder KI-Modellen einen großen Unterschied machen. Ebenso beeindruckend sind die Möglichkeiten im Bereich Video und I/O: Zeus soll mehrere 8K-Videostreams (AV1-Encoding) gleichzeitig in Hardware encodieren können und nebenbei als Netzwerkknoten und Storage-Host dienen. Kurzum: Bolt positioniert Zeus als All-in-One-Beschleuniger für Rendering, High-Performance-Computing und möglicherweise ausgewählte Gaming-Szenarien, der bewusst andere Schwerpunkte setzt als die etablierten Grafikriesen.
Natürlich bleiben diese beeindruckenden Specs zunächst Theorie – kein unabhängiger Tester konnte bislang eine Zeus-GPU in Aktion erleben. Bolt stützt seine Behauptungen auf Simulationen und interne Prototyp-Tests. Die Firma gibt an, ihre Benchmark-Methodik offengelegt und nach branchenüblichen Verfahren (ähnlich wie bei Nvidia, AMD & Co.) entwickelt zu haben; man habe sogar Demo-Videos veröffentlicht, die bestimmte Workloads aufzeigen. Dennoch ist Skepsis angebracht, bis reale Hardware verfügbar ist. Gerade weil Zeus in vielen Punkten von gängigen GPU-Designs abweicht, ist unklar, wie sich das in der Praxis auswirkt. Was nützt ein Pathtracing-Wunder, wenn gängige Spiele-Engines oder 3D-Programme nicht ohne Weiteres darauf laufen? Bolt muss also nicht nur Hardware liefern, sondern auch Entwickler überzeugen, ihre Software anzupassen oder zumindest Kompatibilität sicherzustellen. Die Integration in Tools wie Unreal Engine, Blender und Co. ist laut Bolt zwar in Arbeit – man spricht von Plugins und langfristig sogar voller Engine-Integration – doch bis dahin ist es ein weiter Weg.
Verschobene Roadmap: Dev-Kits erst 2026
Ursprünglich hatte Bolt Graphics einen sportlichen Fahrplan: Bereits Ende 2025 sollten erste Entwicklerkits (Early-Access-Boards) an Partner und interessierte Entwickler gehen. Die Massenproduktion der Zeus-GPU war für Ende 2026 angepeilt – eine erstaunlich kurze Frist, bedenkt man die technische Herausforderung, ein völlig neues GPU-Design zur Marktreife zu bringen. Nun musste das Start-up jedoch eingestehen, dass dieser Zeitplan nicht zu halten ist. Anfang August 2025 verkündete Bolt auf der Plattform X (ehemals Twitter) ein Update: Die DevKits würden „erst 2026“ verfügbar sein. Ob das Anfang oder Ende 2026 bedeutet, blieb vage. Fest steht aber, dass 2025 keine Testkarten mehr erscheinen. Als grober neuer Termin für den Produktionsstart der finalen Zeus-GPUs nennt Bolt nun das Jahr 2027. Konkreter wurde man nicht – offenbar traut sich das Unternehmen derzeit keine exakte Prognose zu. Die Verzögerung wurde von Bolt Graphics nicht näher begründet; es kann an technischen Hürden liegen, an Partnern für die Chipfertigung oder schlicht an der komplexen Entwicklung. Immerhin: Teilnehmer des Early-Access-Programms sollen die DevKits kostenlos erhalten, sobald diese fertig sind – ein kleiner Trost für diejenigen, die bereits auf erste Hardware gehofft hatten.
Für die Branche bedeutet diese Verspätung, dass Zeus auf deutlich stärkere Konkurrenz treffen wird, als ursprünglich kalkuliert. Hätte Bolt seinen 2025/26-Plan gehalten, wäre man etwa gegen Nvidias GeForce-50-Generation und AMDs RDNA4-GPUs angetreten. Mit dem neuen Zeitrahmen rückt allerdings die RTX-60-Serie oder gar RTX-70-Serie ins Visier – also Grafikchips, die in zwei Jahren auf dem Markt sein werden. Ebenso dürften Intels GPU-Bemühungen und andere Spezialbeschleuniger bis dahin weitergewachsen sein. Bolt Graphics nimmt damit bewusst in Kauf, dass das eigene „Wunderding“ zum Launch nicht mehr mit 2025er Hardware konkurriert, sondern sich an 2027er Maßstäben messen lassen muss. Ob das Versprechen „10× schneller als eine 5090“ dann noch beeindruckt, wenn Nvidia und Co. ihre Leistung bis dahin vielleicht verdoppelt haben, ist fraglich. Das Start-up argumentiert allerdings, dass Zeus in gewisser Weise in einer eigenen Nische spielt: Durch die andere Ausrichtung (viel Speicher, spezialisierte Rechenkerne) sei man kein direkter Konkurrent einer Gamer-GPU, sondern biete etwas Neues für Bereiche, die heute zu kurz kommen.
Das Start‑up und die Skepsis der Experten
Bolt Graphics selbst ist erst wenige Jahre alt: Gegründet 2020 in Sunnyvale (Silicon Valley) von Branchenneulingen mit großen Ideen. Laut Unternehmensangaben entstand die Firma aus dem Bedürfnis heraus, die langen Wartezeiten beim 3D-Rendering zu verkürzen – Gründer und CEO Darwesh Singh war frustriert von herkömmlicher Hardware, die Künstler und Designer ausbremst. Unterstützt wird er finanziell von Investoren wie Weili Dai (ehemalige Marvell-Mitgründerin), die als Chairwoman fungiert. Das Team ist mit rund zwei Dutzend Mitarbeitern sehr klein im Vergleich zu den zehntausenden Ingenieuren bei Nvidia oder AMD. Trotz dieser David-gegen-Goliath-Situation scheut Bolt nicht das große Wort: Schon Anfang 2024 hatte man auf der CES in Las Vegas mit einem Vorgänger-Projekt namens „Thunder“ für Wirbel gesorgt. Thunder – so hieß der Prototyp einer GPU-Architektur, die doppelt so schnell sein und nur halb so viel Energie verbrauchen sollte wie damalige High-End-GPUs. Diese Ankündigung war ähnlich kühn, doch konkrete Produkte blieben bislang aus. Stattdessen wurde das Konzept offenbar überarbeitet und tauchte wenige Monate später unter dem Götternamen „Zeus“ wieder auf, diesmal mit noch extremeren Leistungszielen. Skeptiker sehen darin vor allem Marketing-Getöse eines Start-ups, das Aufmerksamkeit erregen muss.
Tatsächlich begegnen viele Experten den Bolt-Plänen mit Zurückhaltung. In Foren und Kommentarspalten ist von „Vaporware“ die Rede – also heißer Luft, die nie in verkaufsfertige Hardware münden wird. Kritiker weisen darauf hin, dass keine der bekannten Größen aus der GPU-Entwicklung bei Bolt an Bord ist und dass es äußerst ungewöhnlich wäre, wenn ein kleines Team aus dem Nichts einen Technologiesprung schafft, der Nvidia & Co. alt aussehen lässt. Andere geben zu bedenken, dass selbst eine überlegene Hardware nichts nützt, wenn das Software-Ökosystem fehlt: Ohne Unterstützung für etablierte Grafik-APIs, Engines und Treiberstandards hätte es Zeus enorm schwer am Markt. Bolt hat zwar angekündigt, Vulkan, DirectX und gängige Frameworks unterstützen zu wollen, doch das muss erst bewiesen werden. Zudem könnten die großen Konkurrenten kontern – etwa mit eigenen Raytracing-Spezialchips oder schlicht durch Aufkauf: „Wenn Bolt wirklich etwas Revolutionäres in Händen hätte, hätte Nvidia sie längst übernommen“, unken einige Kommentatoren.
Auf der anderen Seite weckt Zeus durchaus auch Begeisterung. Die Aussicht auf einen neuen Mitspieler im GPU-Geschäft, der etablierten Platzhirschen Paroli bietet, wird von vielen begrüßt. Insbesondere die enorme Speicherbestückung lässt professionelle Anwender aufhorchen – hier wurde bisher oft vermutet, dass Nvidia und AMD ihre Karten künstlich beschränken, um teurere Profi-Modelle zu verkaufen. Ein Grafikbeschleuniger, der Terabytes an Speicher nutzen kann, klingt nach einem Traum für Data Scientists, KI-Forscher oder Filmstudios. Auch der Open-Source-Ansatz (RISC-V anstelle proprietärer ISAs) und die Fokussierung auf Effizienz treffen einen Nerv: Angesichts explodierender Leistungsaufnahmen moderner GPUs (eine RTX 5090 darf bis zu 600 W ziehen) wirkt das Versprechen, mit unter 400 W auszukommen, beinahe revolutionär. Bolt behauptet, das 1c-Modell mit nur einem einzigen 8-Pin-Stromstecker (max. ~150 W) betreiben zu können – sollte das stimmen, wäre es eine kleine Sensation, wobei für die größeren Modelle sicherlich mehrere Anschlüsse nötig sind.
Ausblick: Zwischen Hype und Realität
Die Geschichte von Bolt Graphics und der Zeus-GPU vereint genau die Elemente, die technische Visionäre und Enthusiasten gleichermaßen fesseln: Ein Startup mit großen Ideen, das den Giganten der Branche die Stirn bietet, garniert mit Superlativen und futuristischen Konzepten. Zugleich mahnt die nun bekanntgewordene Verzögerung, dass Hardware-Entwicklung kein Sprint, sondern ein Marathon ist – und dass Ankündigungen geduldig sind. Noch hat Bolt etwas Zeit, um Zweifelnde vom Gegenteil zu überzeugen. Sollte es gelingen, die ehrgeizigen Pläne in funktionierende Silizium-Chips zu gießen, könnte Zeus tatsächlich frischen Wind in stagnierende Bereiche bringen: Echtzeit-Pathtracing in hoher Qualität, gigantische 3D-Datensätze direkt im Grafikspeicher, flexible GPU-Server mit Networking on-board – all das sind Versprechen, die viele in der Industrie gern wahr werden sähen.
Bis dahin bleibt jedoch ein gesundes Maß an Skepsis angebracht. Die Konkurrenz schläft nicht, und schon manch anderes Hardware-Startup ist an der Komplexität von Grafikchips gescheitert. Bolt Graphics muss nun zeigen, dass hinter den vollmundigen Versprechungen auch Substanz steckt. Die verschobenen Deadlines deuten darauf hin, dass es hinter den Kulissen noch etliche Herausforderungen gibt – seien es Schwierigkeiten beim Chip-Design, Fertigungsprobleme oder das Feintuning der Software. In den nächsten ein bis zwei Jahren wird sich entscheiden, ob Zeus als ernstzunehmende Alternative auf den Markt kommt oder als überambitionierte Vaporware in die Annalen eingeht. Die Tech-Welt wird dieses Projekt jedenfalls aufmerksam weiterverfolgen. Für Nvidia, AMD und Co. mag Bolt Graphics noch ein Zwerg sein – doch sollte Zeus auch nur einen Teil seines Potenzials einlösen, könnte daraus ein Riese erwachsen, der den etablierten Spielern neue Konkurrenz macht.
Letzte Aktualisierung am 16.08.2025 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. Alle hier angezeigten Preise und Verfügbarkeiten gelten zum angegebenen Zeitpunkt der Einbindung und können sich jederzeit ändern. Der Preis und die Verfügbarkeit, die zum Kaufzeitpunkt auf Amazon.de angezeigt werden, sind maßgeblich. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.
Quellen
- ComputerBase – Bolt Graphics: Das große Zeus-GPU-Versprechen hat leichte Verspätung
- Tom’s Hardware – GPU startup’s cherry-picked path tracing test shows 13× edge over Nvidia’s RTX 5090 (Anton Shilov, 04.08.2025)
- Wccftech – Bolt Graphics’ Zeus GPU Makes Bold Claim of Outperforming NVIDIA’s RTX 5090 by 10× in Rendering Workloads (Muhammad Zuhair, 04.08.2025)
- ServeTheHome – Bolt Graphics Zeus: The New GPU Architecture with up to 2.25 TB of Memory and 800 GbE (Patrick Kennedy, 06.03.2025)
- Jon Peddie Research – Bolt Graphics’ Zeus GPU technical overview (Jon Peddie, 04.08.2025)
- PC Games Hardware – „10-fache Leistung der RTX 5090“: GPU-Start-up mit wilden Pathtracing- und FP64-Versprechen (12.03.2025)
- Bolt Graphics (Pressemitteilung) – Bolt Graphics Unveils Thunder, The World’s Fastest Graphics Processor (08.01.2024)