
In Deutschland haben Banken Lastschriften des Bezahldienstes PayPal in einer Gesamthöhe von mehr als zehn Milliarden Euro vorübergehend gestoppt. Auslöser war ein Ausfall von Sicherheitssystemen bei PayPal, die betrügerische SEPA-Lastschriften normalerweise automatisch erkennen und blockieren. PayPal spricht von einer „temporären Störung“, die inzwischen behoben sei. Auch Aufseher in Deutschland und Luxemburg wurden informiert. Süddeutsche Zeitung, Reuters
Was genau ist passiert?
Ende der vergangenen Woche fiel bei PayPal ein zentrales Betrugsfilter-System weitgehend aus. In der Folge wurden millionenfach Lastschriften ohne die üblichen Prüfungen an deutsche Banken eingereicht. Am Montag, 25. August 2025, reagierten Institute und blockierten die Abbuchungen in Summe im zweistelligen Milliardenbereich. PayPal erklärte, der Vorfall habe „bestimmte Transaktionen unserer Banking-Partner“ betroffen; die Ursache sei identifiziert und der Fehler behoben. Reuters, ZDFheute, Stern
Wer war betroffen?
Betroffen waren insbesondere Zahlungen, bei denen PayPal das Geld per SEPA-Lastschrift vom Girokonto der Kunden einzieht – zum Beispiel nach einem Onlinekauf. Nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands belasteten unautorisierte PayPal-Lastschriften die europäischen Zahlungsverkehrssysteme spürbar; bei den Sparkassen lief der Betrieb bereits am Dienstagmorgen wieder normal. Medienberichte nennen unter anderem die Bayerische Landesbank, die DZ Bank und die Hessische Landesbank als Institute, die PayPal-Transaktionen blockierten. Reuters, Barron’s
Wie konnte es dazu kommen?
PayPal betreibt Betrugsfilter, die auffällige Lastschriften vor der Einreichung an Banken „herausfischen“. Fällt diese Prüfinstanz aus, steigt das Risiko für unautorisierte Abbuchungen drastisch. Genau das ist nach Recherchen mehrerer Redaktionen geschehen: Das System war „komplett oder weitgehend“ außer Betrieb, sodass ungeprüfte Lastschriften massenhaft an die Banken gingen. Süddeutsche Zeitung, Stern
Auswirkungen auf Verbraucher und Händler
- Kurzfristige Störungen: Zahlungen über PayPal, die per Lastschrift abgerechnet werden, konnten zeitweise fehlschlagen oder verzögert sein. Reuters
- Marktauswirkungen: Die PayPal-Aktie gab im frühen Handel nach Berichten über die Blockaden nach. Barron’s, Yahoo Finance
- Vertrauensfrage: Der Vorfall befeuert die Debatte über die Robustheit von Betrugserkennung im Massenzahlungsverkehr und die Notwendigkeit zusätzlicher Schutzmechanismen im SEPA-Prozess. EY, Deutsche Bank (VoP)
Was Kunden jetzt konkret tun sollten
- Kontoauszüge prüfen: Überprüfen Sie die letzten Wochen auf unbekannte Abbuchungen von „PayPal (Europe) S.à r.l. et Cie“ oder ähnlichen Gläubigerkennungen.
- SEPA-Rückbuchung nutzen: Unautorisierte Lastschriften können Sie innerhalb von acht Wochen ohne Begründung bei Ihrer Bank zurückgeben lassen. PayPal-Nutzervereinbarung (SEPA-Hinweis)
- PayPal absichern: Passwort ändern, Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren und verknüpfte Geräte prüfen.
- Händlerkommunikation: Bei legitimen Käufen, die nun zurückgegeben wurden, lassen sich Zahlungen regulär neu anstoßen (z. B. per Kartenzahlung), sobald PayPal und Banken wieder stabil laufen. Aktuell melden mehrere Medien, dass die Systeme schrittweise normalisieren. ZDFheute
Einordnung: Wie sicher ist SEPA-Lastschrift – und was ändert sich?
Die SEPA-Lastschrift bleibt grundsätzlich verbraucherfreundlich, weil sie ein starkes Rückgaberecht bietet. Gleichwohl zeigt der Fall, dass Vorprüfungen auf Seiten der Anbieter kritisch sind. Im Zuge der EU-Verordnung zu Echtzeitzahlungen werden bis Oktober 2025 zusätzliche Schutzmechanismen wie „Verification of Payee“ für SEPA-Überweisungen verpflichtend, was auch das Ökosystem insgesamt widerstandsfähiger machen soll. Deutsche Bank (VoP), EY
FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Ist mein Geld verloren, wenn eine betrügerische PayPal-Lastschrift erfolgte?
Nein. Bei einer SEPA-Lastschrift können Sie binnen acht Wochen eine Rückgabe veranlassen – in der Regel direkt in Ihrem Onlinebanking oder per Kontakt zur Bank. PayPal-Nutzervereinbarung
Hat PayPal den Vorfall bestätigt?
Ja. PayPal bestätigte eine temporäre Störung, die sich auf bestimmte Transaktionen von Bankpartnern auswirkte, und teilte mit, dass das Problem behoben sei. Reuters
Sind Ermittlungen oder Aufsichtsmaßnahmen bekannt?
Die deutsche Finanzaufsicht BaFin sowie die Luxemburger CSSF wurden laut Medienberichten informiert; die CSSF sah zunächst keinen Handlungsbedarf. Offizielle Detailberichte stehen aus. Reuters, BaFin, CSSF
Ausblick
Der Vorfall wird PayPal, Banken und Regulierung dazu zwingen, Schwachstellen im Zusammenspiel von Risikomodellen, Schnittstellen und Massenverarbeitung zu schließen. Für Händler empfiehlt sich eine Payment-Orchestration-Strategie mit Ausweich-Rails (z. B. Karte, Instant Payments) und klaren Incident-Plänen. Für Verbraucher bleibt entscheidend: Konten überwachen, starke Authentifizierung aktivieren und Rückgaberechte kennen. Hintergrundanalysen zur europäischen Payment-Transformation liefern zusätzliche Perspektiven. Gr4vy, EY
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Linkliste
- Süddeutsche Zeitung: „Sicherheitslücke bei Paypal – Deutsche Banken blockieren Paypal-Zahlungen in Milliardenhöhe“
- Reuters: „German banks halted €10bn in PayPal payments on fraud concerns“
- ZDFheute: „PayPal-Panne: Zahlungen in Milliardenhöhe gestoppt“
- FAZ: „Banken stoppten Paypal-Lastschriften in Milliardenhöhe“
- Stern: „Ausfall von Sicherheitssystemen sorgt für Probleme“
- Barron’s: „PayPal Stock Tumbles…“
- Yahoo Finance: „German banks halted €10bn…“
- AML Intelligence: „German banks block €10B in PayPal payments…“
- Deutsche Bank: „Verification of Payee (VoP)“
- EY: „EU Instant Payments – fünf Hürden bis 2025“
- PayPal-Nutzervereinbarung (SEPA-Rückgaberecht)