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Commodore 128: CES-Premiere 1985, Technik und Vermächtnis

06.01.2026, 03:40 Uhr 6 minutes read
Commodore 128 CES-Premiere 1985, Technik und Vermächtnis

Vor 41 Jahren zeigte Commodore auf der Winter Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas den Commodore 128 – den designierten Nachfolger des C64 und zugleich einen der eigenwilligsten „Brückenrechner“ der 8-Bit-Ära. Beim exakten Datum gibt es eine kleine Retro-Unschärfe: Einige Darstellungen nennen den 5. Januar 1985, andere den 6. Januar 1985; sicher ist aber, dass die Ankündigung am CES-Wochenende Anfang Januar 1985 erfolgte. Aktuelle Quellen innerhalb der letzten sieben Tage sind zu diesem historischen Thema naturgemäß selten, trotzdem lässt sich die Geschichte gut belegen. Denn der C128 steht für eine Idee, die zugleich klug und fatal war: nahezu alles vom C64, aber mit Extras für Programmierer und Büroarbeit – und genau dieser Spagat erklärt, warum der Rechner technisch fasziniert und wirtschaftlich trotzdem nie die Krone bekam.

Inhaltsverzeichnis

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  • Commodore 128: Premiere auf der Winter CES 1985
  • Warum Commodore den C128 überhaupt brauchte
  • C128 C64-Kompatibilität: Segen und Fluch zugleich
  • Mehr BASIC, mehr RAM, 80 Zeichen: der Büro-Plan
  • Rund vier Millionen verkauft – und trotzdem der kleine Bruder
  • Quellen

Commodore 128: Premiere auf der Winter CES 1985

Die Entstehungsgeschichte ist fast so spektakulär wie die Maschine selbst: Der C128 wurde nach nur rund fünf Monaten Entwicklungszeit erstmals im Januar 1985 auf der Winter CES vorgestellt. Statt eines harten Neuanfangs setzte Commodore auf das Prinzip „drei Rechner in einem“ – C64-Modus für maximale Abwärtskompatibilität, nativer C128-Modus für neue Funktionen und ein CP/M-Modus, der klassische Business-Software ermöglichen sollte. Kurz nach der Messe lag der Markteinführungspreis in den USA bei 300 US-Dollar; in Westdeutschland wurde zur Einführung ein Preis von 1.198 DM genannt. Schon diese Preisregion macht klar, dass Commodore mehr wollte als „nur“ ein Spielegerät am Fernseher: Für den Versuch, den Commodore 128 Winter CES 1985 auch als Bürocomputer zu positionieren, waren Dinge wie ein sauberer 80-Zeichen-Textmodus plötzlich entscheidend.

Warum Commodore den C128 überhaupt brauchte

Mitte der 1980er tobte der Heimcomputermarkt wie ein technologischer Sandsturm: Viele Hersteller brachten inkompatible Modelle, während Käufer vor allem eines wollten – ihre vorhandene Software weiterverwenden. Commodore hatte mit dem C64 eine Massenplattform aufgebaut, gleichzeitig aber erlebt, wie schnell ein neues System scheitern kann, wenn es sein eigenes Ökosystem nicht mitbringt. Nach den Experimenten mit anderen 8-Bit-Linien, die nicht an die Allgegenwart des C64 heranreichten, war die Lektion klar: Der nächste Schritt muss kompatibel sein, sonst zahlen die Nutzer den Preis. Der Commodore 128 war damit strategisch ein Sicherheitsprojekt: modernisieren, ohne das C64-Universum zu entwerten, und dabei Anschluss an „seriösere“ Einsatzfelder finden. Das Ergebnis war ein Design, das gleichzeitig konservativ und ungewöhnlich wirkte – so, als hätte man einen bewährten Motor behalten, aber gleich mehrere neue Getriebe angebaut, um auch jenseits von Spielen und Demos eine Rolle zu spielen.

C128 C64-Kompatibilität: Segen und Fluch zugleich

Im Alltag war die fast vollständige C64-Kompatibilität das Killerargument: Der C128 konnte im C64-Modus starten und so die riesige Bibliothek an Spielen und Anwendungen weiter nutzen. Schon früh wurde diese Kompatibilität extrem offensiv beworben – bis hin zu Aussagen, man habe praktisch „100 Prozent“ erreicht, was für Käufer wie ein Sicherheitsgurt wirkte. Der Wechsel war bewusst simpel: per Tastenkombination beim Einschalten oder per Kommando „GO 64“ landete man im 64er-Modus, und das System verhielt sich dann weitgehend wie ein C64. Genau das wurde jedoch zum Fluch, weil viele Nutzer den C128 im Alltag überwiegend als C64 nutzten und die neuen Fähigkeiten dadurch unsichtbar blieben. Wenn Entwickler dann konsequent für die größte Plattform optimieren, verstärkt sich der Effekt: Der C128-Modus bekommt weniger maßgeschneiderte Software, und „mehr Hardware“ zahlt sich für viele Käufer spürbar kaum ein – und der Aufpreis wirkt wie Luxus ohne Pflicht.

Mehr BASIC, mehr RAM, 80 Zeichen: der Büro-Plan

Technisch lieferte der C128 eine ganze Werkzeugkiste: Im nativen Modus stand BASIC 7.0 bereit, deutlich mächtiger als das BASIC 2.0 des C64, mit größerem Befehlssatz und besserer Unterstützung für System- und Grafikfunktionen. Ab Werk waren 128 kB RAM verbaut, und der 8502-Prozessor konnte im C128-Modus mit bis zu rund 2 MHz laufen – ein spürbarer Schritt, solange man nicht in den C64-Modus zurückfiel. Für den dritten Betriebsmodus kam zusätzlich ein Z80A-Prozessor ins Gerät, der nominell bis zu 4 MHz takten konnte und CP/M unterstützen sollte, ein damals verbreitetes Betriebssystem aus der frühen Mikrocomputer-Ära, das vor allem wegen seines Software-Bestands interessant war. Der CP/M-Teil startete typischerweise von Diskette, weshalb der Z80 beim Einschalten eine aktive Rolle spielt: Findet das System keine passende Disk, fällt er in den C64- oder C128-Betrieb zurück. Für den „Büro“-Anspruch war außerdem die Anzeige entscheidend: Neben dem C64-nahen 40-Zeichen-Bild (über den VIC-IIe) gab es einen separaten Videoprozessor (VDC, MOS 8563) mit eigenem Videospeicher, der den 80-Zeichen-Modus mit schärferer Textdarstellung ermöglichte. Dazu kamen Ausgänge für unterschiedliche Monitortypen, und das Konzept erlaubte sogar sinnvolle Zwei-Monitor-Setups – ein klarer Hinweis auf den Anspruch: Der C128 wollte mehr sein als nur der nächste Brotkasten.

Rund vier Millionen verkauft – und trotzdem der kleine Bruder

Über alle Varianten hinweg werden weltweit rund vier Millionen verkaufte C128 genannt; produziert wurde die Reihe bis 1989. Das ist respektabel, aber der Vergleich ist unfair, weil der C64 als Massencomputer in einer anderen Liga spielte: Für den C64 kursieren je nach Quelle Schätzungen von etwa 12 bis 17 Millionen Geräten, und diese Dominanz prägte den Markt. Viele Käufer nutzten den C128 deshalb häufig wie einen C64 – und dann wirkt „mehr Technik“ plötzlich wie ein Aufpreis ohne direkten Nutzen, selbst wenn BASIC 7.0, mehr RAM und 80 Zeichen objektiv Vorteile bringen. Gleichzeitig verschob sich die Branche: Im mittleren Segment wuchsen Atari ST und Amiga 500, während IBM-PC-Kompatible den Büromarkt zunehmend setzten und standardisierten – was für den C128 bedeutete: weniger native Software als beim C64, überschaubarer Spiele-Anreiz und ein Timing, das gegen ihn arbeitete. Trotzdem bleibt der Commodore 128 für viele bis heute ein faszinierender Rechner, weil er zeigt, wie schwer es ist, gleichzeitig kompatibel, modern und günstig zu sein. Hattest du einen C128, oder warst du damals eher bei C64, Atari ST, Amiga oder schon beim PC?

Quellen

  • 40 Jahre C128: Commodores letzter 8-Bit-Versuch — heise online (07.01.2025)
  • Commodore 128 — Wikipedia (Deutsch) (05.12.2025)
  • Guest Post: The Real Story Of Hacking Together The Commodore C128 — Hackaday (09.12.2013)

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Sebastian Schiebort

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