
Was hinter dem gemeldeten Komplett-Ban steckt
Ein neuer Bericht sorgt für Wirbel: Chinas Behörden sollen NVIDIAs KI-Beschleuniger H20 „bis auf Weiteres vollständig“ verboten haben. Ausgelöst wurde die Meldung von einem Jefferies-Investorenhinweis, auf den sich Wccftech beruft. Demnach dürften chinesische Unternehmen keine H20-Beschaffungen mehr tätigen – ein Schritt, der deutlich über die bisherigen Hinweise zum Meiden des Chips hinausginge.
„Verbot“ vs. „Dringende Warnung“: Was bisher gesichert ist
Wichtig: Eine offizielle, landesweite Verbotsverfügung wurde von chinesischen Stellen bislang nicht veröffentlicht. Verlässlich dokumentiert ist hingegen, dass Regulierer Unternehmen seit Mitte August dringend davor warnen, NVIDIAs H20 einzusetzen – insbesondere bei staatlichen oder sicherheitsrelevanten Projekten. Reuters berichtete von Gesprächen der Cyberspace Administration of China (CAC) mit großen Internetkonzernen und davon, dass Firmen die H20-Käufe begründen mussten. Gleichzeitig hieß es ausdrücklich, es gebe keine generelle Kaufanordnung zu stoppen.
Parallel dazu soll NVIDIA einigen Zulieferern (u. a. für Packaging/Assembly) mitgeteilt haben, Arbeiten am H20 vorerst zu pausieren – eine Entwicklung, die zuerst The Information exklusiv meldete und die in Folgeberichten von Reuters aufgegriffen wurde.
Zeitleiste: Wie es zum Showdown um den H20 kam
- 2023: Die USA beschränken High-End-GPU-Exporte nach China. NVIDIA entwickelt als Antwort den H20 (abgespeckte „Hopper“-Variante) für den China-Markt.
- April 2025: Zwischenzeitliches Verkaufsstopp-Signal, später wieder aufgehoben.
- Juli 2025: Verkäufe des H20 werden wieder genehmigt.
- 12./13. August 2025: China warnt Unternehmen vor H20-Beschaffungen (Daten-/Sicherheitsbedenken), fordert Begründungen und verweist auf heimische Alternativen.
- 21./22. August 2025: Berichte: NVIDIA bremst Zulieferarbeiten am H20; große Partner sollen Vorbereitungen stoppen.
- 25. August 2025: Jefferies-Note (via Wccftech): angeblicher Komplett-Ban in China.
Warum der H20 politisch so brisant ist
Der H20 wurde konstruiert, um US-Limits zu erfüllen – samt geringerer Rechenleistung, aber mit NVLink und HBM-Speicher. Für China ist der Chip symbolträchtig: Er steht für die Abhängigkeit von US-Hardware und für die Frage, wie weit Peking aus Sicherheitsgründen US-Technik in kritischen Infrastrukturen zurückdrängt. Genau diese Sicherheitsbedenken (etwa Risiken bei Datenzugängen) nannten staatliche Medien und Aufseher zuletzt häufiger.
Konsequenzen für NVIDIA: Umsatzzahlen, Zulieferkette – und Plan B
China war im letzten Geschäftsjahr für etwa 13 % von NVIDIAs Umsatz verantwortlich – entsprechend groß wäre ein H20-Ausfall. Analysten rechnen ohnehin damit, dass Q2 kaum/kein China-Beitrag sichtbar ist, während der Blackwell-Rollout (GB300, NVL72) global stützt.
Gleichzeitig arbeitet NVIDIA laut Reuters an einem neuen China-Chip auf Blackwell-Basis („B30A“), der den H20 in Teilen übertrifft, sowie an einem günstigeren Inferenz-Beschleuniger (RTX6000D) unterhalb der US-Schwellenwerte. Muster könnten bereits zeitnah bei chinesischen Kunden landen – vorbehaltlich Genehmigungen.
Profiteure in China: Huawei, Cambricon & Co. wittern Rückenwind
Die Börse spielt das Thema bereits: Chinesische Halbleiteraktien zogen zuletzt stark an – angefeuert durch die Aussicht auf Importsubstitution und Meldungen zu H20-Drosselungen. Auch Ankündigungen wie DeepSeeks Unterstützung künftiger heimischer Chips befeuern die Story.
Was jetzt für Käufer in China gilt
Entscheidend ist, wo und wofür der H20 eingesetzt werden soll: Für öffentliche, sicherheitsnahe oder staatlich finanzierte Projekte deuten die Vorzeichen klar auf „domestic first“. Private Hyperscaler und Internetfirmen stehen unter regulatorischer Beobachtung – bereits vor dem Jefferies-Hinweis hatten mehrere Big Techs laut The Information temporäre Beschaffungsstopps verordnet bekommen.
Einordnung: Wie belastbar ist der „Komplett-Ban“?
Der von Wccftech kolportierte „vollständige Bann“ fußt auf einer Investorennotiz, deren vollständiger Wortlaut öffentlich nicht vorliegt. Die breitere Primärberichterstattung skizziert bislang eher eine behördliche Abraten-Linie samt Prüfungen und ein faktisches Einfrieren der H20-Kette auf NVIDIA-Seite – nicht aber eine offiziell veröffentlichte, flächendeckende Rechtsanordnung. Bis eine explizite Verfügung vorliegt (oder dementiert wird), bleibt „Komplett-Ban“ als Begriff mit Vorsicht zu verwenden.
Ausblick: 5 Signale, die jetzt zählen
- Offizielles Dokument aus Peking (CAC/MIIT/NDRC) zu einem generellen H20-Verbot.
- NVIDIAs Roadmap für B30A/RTX6000D und mögliche US-Genehmigungen.
- Zulieferer-Guidance (TSMC, Samsung, Amkor, Foxconn) zur Wiederaufnahme oder Streichung H20-bezogener Aufträge.
- Ordertrends großer Plattformen (Baidu, Alibaba, Tencent, ByteDance) und deren Wechsel auf Huawei/Cambricon.
- Makro-Deal zwischen USA und China zu KI-Chips – inklusive etwaiger Auflagen/Revenue-Sharing.
Fazit
Ob der H20 in China formell komplett verboten ist, lässt sich aktuell nicht zweifelsfrei belegen. De facto sprechen die Signale aus Peking, die Sicherheits-Debatte und NVIDIAs Produktionspause jedoch für einen sehr harten Gegenwind – mit unmittelbaren Folgen für Verfügbarkeit und Umsatz. NVIDIAs Antwort ist eine schnelle Blackwell-Anpassung für China. Für den Moment bleibt der H20 zum Politikum geworden – und zum Lackmustest für Chinas „Domestic-First“ im KI-Kern.
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Quellen & weiterführende Links
- Wccftech: „NVIDIA’s H20 … completely banned“ (Jefferies-Note)
- Reuters: China warnt Tech-Firmen vor H20-Käufen
- Reuters: NVIDIA arbeitet an Blackwell-basierter China-GPU (B30A)
- Barron’s: China-Verkäufe & Analystenerwartungen
- WSJ: Chinas Chip-Aktien im Aufwind
- Financial Times: DeepSeek stützt heimische Chips
- Reuters: Zuliefer-Stopp am H20 nach Behördenhinweisen
- Silicon.co.uk: Überblick zu Lieferketten-Stopps