
Google hat in den USA Vereinbarungen mit den Energieversorgern Indiana Michigan Power (I&M) und Tennessee Valley Authority (TVA) geschlossen, um den Stromverbrauch seiner KI-Rechenzentren während Nachfragespitzen zu drosseln. Das teilte der Tech-Konzern am Montag mit. Mit dieser Maßnahme reagiert Google auf den rasant steigenden Energiehunger der Künstlichen Intelligenz, der in manchen US-Regionen das verfügbare Stromangebot bereits übersteigt. Diese Entwicklung hat Sorgen vor steigenden Strompreisen für Verbraucher und möglichen Blackouts geweckt.
Demand Response: KI-Aufgaben bei Spitzenlast verschieben
Google-Zentrale in Kalifornien: Der Tech-Gigant kooperiert mit Energieversorgern, um die Stromversorgung trotz KI-Boom stabil und nachhaltig zu halten. Google erklärte in einem Blogbeitrag, dass es sich bei den Vereinbarungen mit I&M und TVA um die ersten ihrer Art handelt, die im Rahmen sogenannter „Demand-Response“-Programme getroffen wurden. Dabei werden große Stromverbraucher bei Bedarf zeitweise heruntergefahren, um das Netz zu entlasten. Für Google bedeutet das konkret, nicht dringende KI-Workloads – etwa rechenintensive Trainingsläufe von Machine-Learning-Modellen oder die Verarbeitung von Videos – zu verschieben oder kurzzeitig zu pausieren, sobald das Stromnetz unter hoher Last steht. Dieses Vorgehen hat Google bereits 2024 in Nebraska erprobt: In Zusammenarbeit mit Omaha Public Power District (OPPD) senkte der Konzern während drei Netzlast-Spitzenereignissen testweise den Energieverbrauch seiner KI-Systeme.
Ähnliche Lastreduktions-Programme sind in anderen energieintensiven Branchen allerdings nicht neu. So nehmen etwa Stahlwerke oder Kryptomining-Farmen bereits seit Jahren an solchen Demand-Response-Initiativen teil und erhalten im Gegenzug Rabatte auf ihre Stromtarife. Für die hochautomatisierten Cloud-Rechenzentren der Tech-Konzerne ist ein solcher Ansatz jedoch Neuland.
Google betont die Vorteile dieser Flexibilität: Große Stromabnehmer könnten schneller ans Netz angeschlossen werden, ohne dass neue Kraftwerke oder Übertragungsleitungen gebaut werden müssen. Zudem helfen verschiebbare Lasten den Netzbetreibern, das Stromsystem effizienter und sicherer zu steuern. Auch die Energieversorger selbst begrüßen den Ansatz. Steve Baker, Präsident von Indiana Michigan Power, erklärte, beim Anschluss großer neuer Verbraucher sei eine enge Abstimmung mit den Kunden entscheidend. Googles Fähigkeit, Last flexibel zu steuern, nannte er ein äußerst wertvolles Werkzeug, um den zukünftigen Energiebedarf zu decken, ohne die Netzstabilität zu gefährden.
Kein Spielraum bei kritischen Diensten
Gleichzeitig räumt Google ein, dass nicht alle Aufgaben in seinen Rechenzentren beliebig pausiert werden können. Kritische Dienste wie die Websuche, Google Maps oder Cloud-Anwendungen für das Gesundheitswesen müssen jederzeit verfügbar bleiben. Daher soll die neue Laststeuerung nur an ausgewählten Standorten und nur für bestimmte Berechnungsaufgaben zum Einsatz kommen, bei denen eine Verzögerung unkritisch ist. Schon jetzt verlagert Google viele nicht zeitgebundene Prozesse – zum Beispiel das Rendering von YouTube-Videos – in Rechenzentren, an denen gerade ausreichend Stromkapazität verfügbar ist, um Lastspitzen zu umgehen.
Nachhaltigkeit in allen drei Dimensionen
Der Vorstoß zahlt auf alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit ein. Indem Google rechenintensive Aufgaben aus Spitzenzeiten heraushält, verringert es den Bedarf an zusätzlichen (oft fossilen) Kraftwerkskapazitäten und reduziert damit CO2-Emissionen. Gleichzeitig stabilisiert die Lastverschiebung das Stromnetz und senkt das Risiko von Überlastungen sowie Stromausfällen – ein wichtiger sozialer Aspekt. Und drittens lassen sich Kosten einsparen: Energieversorger müssen weniger in teure Reservekapazitäten investieren, und Großverbraucher wie Google profitieren von vergünstigten Tarifen im Rahmen solcher Programme.
Diese Lastmanagement-Initiative ist zudem Teil von Googles umfassender Energiestrategie. Der Konzern strebt an, bis 2030 rund um die Uhr CO2-freien Strom zu nutzen, und investiert parallel in neue Energiequellen. Erst im Mai hat Google etwa eine Kooperation mit dem US-Startup Elementl Power geschlossen, um den Bau kleiner modularer Kernreaktoren (Small Modular Reactors) für die zukünftige Stromversorgung zu unterstützen.
Noch decken derartige Vereinbarungen nur einen kleinen Teil des Strombedarfs ab. Doch angesichts knapper werdender Energieressourcen in den USA könnten solche Lösungen künftig an Bedeutung gewinnen. Google kündigte an, weiter mit Netzbetreibern und Partnern zusammenzuarbeiten, um das enorme Potenzial der KI zu nutzen, ohne die Stromnetze zu überlasten oder Klimaziele zu gefährden. Langfristig strebt der Konzern nach eigenen Angaben ein „sauberes, zuverlässiges und bezahlbares Energiesystem für alle“ an.
Quellen
- TechRepublic – Google to Reduce AI Data Center Power Use During Peak Demand (06.08.2025)
- Reuters – Google agrees to curb power use for AI data centers to ease strain on US grid (04.08.2025)
- Google Blog – How we’re making data centers more flexible to benefit power grids (Michael Terrell, 04.08.2025)