
OpenAI reagiert auf die jüngste Kritik an ChatGPT-5 (GPT-5) und testet ein neues Limit von 3.000 „Thinking“-Anfragen pro Woche für zahlende ChatGPT-Plus-Nutzer. Mit dieser deutlichen Erhöhung der erlaubten Denk-Anfragen will das Unternehmen die als zu streng empfundenen Begrenzungen lockern und die Fähigkeiten von GPT-5 besser nutzbar machen. OpenAI-Chef Sam Altman bestätigte in Beiträgen auf X (vormals Twitter), dass alle Nutzungs-Limits der Modelle über das Niveau von vor der GPT-5-Einführung angehoben werden sollen – was GPT-5 zu einem der preisgünstigsten KI-Modelle am Markt machen könnte.
Nutzer-Aufstand nach dem GPT-5-Start
Nach dem Launch von GPT-5 häufte sich in Online-Foren und sozialen Medien Kritik. Viele Anwender empfanden das neue Modell als Rückschritt: Die Antworten von GPT-5 seien oft kürzer, technischer und weniger kreativ ausgefallen als beim Vorgänger GPT-4o. Zudem hatte OpenAI das bisherige Modell GPT-4o für alle Nutzer von einem Tag auf den anderen deaktiviert, was einen Sturm der Entrüstung auslöste. In Reddit-Diskussionen verglichen langjährige Nutzer den Verlust von GPT-4o sogar mit dem „Abschied von einem vertrauten Freund“ – das neue GPT-5 wirke zwar effizienter, aber „seelenlos“, so der Tenor vieler Beiträge. Auch auf X forderten zahlreiche Kunden lautstark die Rückkehr von GPT-4o; einige drohten sogar, ihr ChatGPT-Plus-Abo zu kündigen. Zusätzlich sorgte für Unmut, dass OpenAI bestimmte Parameter nicht verbessert hatte – so blieb etwa das Kontextfenster für Plus-Kunden bei 32.000 Token beschränkt, während Pro-Abonnenten 128.000 Token nutzen können. All dies trug dazu bei, dass sich ein regelrechter Nutzeraufstand formierte.
OpenAI rudert zurück: GPT-4o und höhere Limits
OpenAI reagierte ungewöhnlich schnell auf das Kunden-Feedback. Nur wenige Tage nach dem Update vollzog CEO Sam Altman eine Kehrtwende: Das zuvor abgeschaltete Modell GPT-4o werde für Plus-Abonnenten wieder als auswählbare Option verfügbar gemacht (über einen „Legacy“-Schalter in den Einstellungen). Gleichzeitig verdoppelte OpenAI die allgemeinen Nutzungsraten für GPT-5 unter Plus-Abos – Berichten zufolge stieg das Limit von 80 auf 160 Anfragen pro 3 Stunden –, um Engpässe zu lindern. Speziell für den ressourcenintensiven „Thinking“-Modus testet das Unternehmen nun ein Kontingent von 3.000 Anfragen pro Woche für Plus-Nutzer – ein Vielfaches des bisherigen Limits.
Altman zeigte sich überrascht und gestand ein, man habe unterschätzt, wie stark die Nutzer an dem alten GPT-4o hingen. In einem Post räumte er ein, dass ein technischer Fehler beim automatischen Modellumschalter am ersten Tag dazu führte, dass GPT-5 „viel dümmer wirkte“ als erwartet. Er merkte zudem an, dass mittlerweile deutlich mehr Anwender den gründlichen Denkmodus täglich nutzen – bei Gratis-Nutzern sei der Anteil von unter 1 % auf 7 % gestiegen, bei Plus-Abonnenten von 7 % auf 24 %. Die hohe Nachfrage mache die drastische Anhebung der Limits notwendig, um alle Anfragen bedienen zu können. Mit der Rückkehr von GPT-4o erhielten Plus-Kunden auch wieder die Möglichkeit, je nach Aufgabe zwischen dem neuesten GPT-5 (für maximale Leistung) und dem vertrauten GPT-4o (für dessen bevorzugte Ausdrucksweise) zu wählen.
Neue Anzeigen und manuelle Kontrolle
Zudem verbessert OpenAI die Benutzeroberfläche von ChatGPT, um den Umgang mit den verschiedenen Modellvarianten transparenter zu machen. Künftig soll ein Indikator direkt anzeigen, welches Modell gerade für eine Antwort verwendet wird – etwa ob GPT-5 im schnellen Standardmodus oder im langsameren „Thinking“-Modus (bzw. eine kleinere Variante wie GPT-5-mini) antwortet. Damit wissen Nutzer jederzeit, wie ihre Anfrage bearbeitet wird, und Missverständnisse über vermeintlich „dumme“ Antworten lassen sich vermeiden. Ferner plant OpenAI einen Schalter in der Chat-Oberfläche, mit dem Anwender bei Bedarf gezielt den gründlicheren Thinking-Modus manuell aktivieren können. Bisher entscheidet ein automatischer Router im Hintergrund, wann GPT-5 mehr Zeit zum Nachdenken nimmt; künftig bekommen Nutzer hier mehr Kontrolle, um bei komplexen Aufgaben bewusst die maximale KI-Power einzusetzen.
Bedeutung und Ausblick
OpenAIs rasche Kurskorrektur verdeutlicht, welchen Stellenwert Nutzerzufriedenheit selbst inmitten rasanter KI-Entwicklungen hat. Die Leistungsfähigkeit von GPT-5 allein genügt nicht, wenn die Anwender das Gefühl haben, etwas Wertvolles zu verlieren. Indem OpenAI nun auf die Community hört – ältere Modelle zurückbringt, Transparenz schafft und großzügigere Nutzungskontingente bietet –, versucht das Unternehmen, die Balance zwischen Innovation und Nutzererlebnis zu wahren. Insbesondere Plus-Abonnenten profitieren vom „Best of Both Worlds“: Sie können bei Bedarf wieder das vertraute GPT-4o mit seiner warmen Tonalität einsetzen oder auf das leistungsstärkere GPT-5 umschalten, je nach Anwendungsfall. Gratisnutzer erhalten mit GPT-5 zwar erstmals ein fortschrittliches Modell kostenlos, müssen aber auf die Wahlmöglichkeit zwischen unterschiedlichen KI-Persönlichkeiten verzichten.
Altman hat außerdem angedeutet, dass OpenAI in Kürze weitere Pläne vorstellen will, um die verfügbare Rechenkapazität fair zwischen ChatGPT-Nutzern, API-Kunden sowie neuen und bestehenden Anwendern aufzuteilen. Dies soll sicherstellen, dass die erhöhten Limits und die parallele Unterstützung mehrerer Modelle langfristig tragfähig bleiben. Die Lektion aus der holprigen GPT-5-Einführung dürfte künftig auch für andere KI-Anbieter gelten: Nutzerbedürfnisse und -bindungen müssen ernst genommen werden – selbst während man an vorderster Front der Technologie voranschreitet.
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Quellen
- BleepingComputer – OpenAI is testing 3,000‑per‑week limit for GPT‑5 Thinking (11. 08. 2025)
- Platformer – Three big lessons from the GPT‑5 backlash (11. 08. 2025)
- Wired – OpenAI Scrambles to Update GPT‑5 After Users Revolt (11. 08. 2025)
- The American Bazaar – Users unhappy with GPT‑5, OpenAI restores access to GPT‑4o (11. 08. 2025)
- Tom’s Guide – ChatGPT‑4o is coming back after massive GPT‑5 backlash (09. 08. 2025)